Am Samstag den 12.06. 2021 hieß es vom Schloß Schildau abschied nehmen , denn heute geht es zu meinem nächsten Hotel in Schweidnitz.

Zuerst lief ich aber nochmal zum Nachbarschloß  Schloss Lomnitz (poln. Pałac Łomnica.


Schloß Schildau           Schloss Lomnitz (poln. Pałac Łomnica.

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Nun geht es weiter und mein einziger Besichtigungsstop auf dem Weg nach Schweidnitz war am Kloster Grüssau.

Die Klosteranlage gehört zu den bedeutendsten Barockanlagen Europas und ist für das UNESCO-Weltkulturerbe nominiert.


Kloster Grüssau         Kloster Grüssau

Gründung als Benediktinerpropstei 1242

Die Stiftung der Benediktinerpropstei erfolgte am 8. Mai 1242 durch Herzogin Anna von Böhmen ,  Witwe des Herzogs Heinrich II. des Frommen. 

Die Propstei wurde mit Benediktinermönchen  des böhmischen Klosters Opatovice  besiedelt, die das Tal des Zieder  urbar machen sollten.

Das hatte bereits Heinrich beschlossen, bevor er am 9. April 1241 in der Schlacht von Liegnitz fiel. 

Es ist nicht bekannt, warum sich das Kloster nicht entfalten konnte und weshalb die Benediktiner die Grüssauer Propstei 1289 aufgegeben haben.

Noch im Jahre 1288 hatte Herzog  Bolko I.  der Benediktinerpropstei die Dörfer  Blaseysdorff , Merkelingsdorff und Cazbach (Katzbach/Kratzbach) geschenkt,

die zum  Trautenauer Gebiet gehörten und die Herzog Bolko I. vorher vom Ritter Witiko von Aupa/Alt Trautenau  (Vítek z Úpy; † 1314) erworben hatte.

Jedoch schon ein Jahr später verkaufte der Opatowitzer Abt Tschaska das zur Propstei Grüssau gehörende Gebiet mit allen Dörfern dem Herzog Bolko I.,

der dort die Gründung eines Zisterzienserklosters beabsichtigte. Dadurch gelangte das zunächst zu Böhmen  gehörende Gebiet an das Herzogtum Schweidnitz-Jauer. 


Klosterkirche Mariä Himmelfahrt

Die Klosterkirche wurde bereits 1292 durch den Breslauer Bischof  Johannes Romka  eingeweiht.

An ihrer Stelle wurde unter Abt Innozenz Fritsch  in den Jahren 1728–1735 eine Barockkirche  errichtet, an der im 17. und 18. Jahrhundert

die bekanntesten Künstler Böhmens, Mährens, Österreichs und Bayerns wirkten. Der Entwurf wurde aus dem Kreis um Kilian Ignaz Dientzenhofer  beeinflusst.

Die Bauleitung lag in den Händen des Stiftsbaumeisters  Joseph Anton Jentsch aus  Hirchberg. Die Entwürfe für die bildhauerisch gestaltete Fassade,

die – bei ungewöhnlich starker Betonung der Vertikalen – horizontal in drei Geschosse gegliedert ist, schuf  Ferdinand Maximilian Brokoff. 

Nach seinem frühen Tod übernahm sein Schüler Anton Dorazil   mit einer Bildhauerwerkstatt aus Prag die Leitung der Arbeiten.

Ihm folgte Dorazils Schwiegersohn  Joseph Anton Lachel.

Die Kirche erhielt 1998 von Papst  Johannes Paul II. den Titel einer Basilica minor verliehen.


Klosterkirche Mariä Himmelfahrt          Klosterkirche Mariä Himmelfahrt

Klosterkirche Mariä Himmelfahrt

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Man konnte auch auf den Kirchturm hinaufsteigen , von dem man eine schöne Aussicht hatte.



Inhaltsverzeichnis



Aussicht vom Kirchturm          Aussicht vom Kirchturm

  Zisterzienserkloster 1292–1810

Die Stiftungsurkunde  für die Zisterzienserabtei  unterzeichneten 1292 der Stifter Bolko I., sein Bruder Heinrich V.  und der Breslauer Bischof Johann III. Romka. 
Zur finanziellen Ausstattung des Klosters gehörten zunächst 14 Dörfer und die Stadt  Liebau mit allen Abgaben,
Rechten und Pflichten sowie kraft herzoglicher Vollmacht auch das Blutgericht ,  für das Liebau zum Gerichtsort bestimmt wurde.
Der Stifter erwartete von den Zisterziensern eine weitere Kolonisierung des Landes sowie die Gründung weiterer Ortschaften.
Bereits am 7. August 1292 hatte Abt Friedrich von Heinrichau  zwölf Mönche sowie den Gründungsabt Theoderich nach Grüssau entsandt, wo sie zwei Tage später ankamen.
Die Klosterkirche wurde 1292 geweiht, die Klostergebäude einige Jahre später errichtet. In der Folgezeit wurde der Grundbesitz mehrfach erweitert:
1343 um Schömberg   mit sechs Dörfern, 1403 um die Propstei  Warmbrunn , die der Ritter Schaffgotsch  stiftete, und um die Herrschaft Würben  bei Schweidnitz. 
Im 14. Jahrhundert gehörten zum Stiftsland  fast 40 Dörfer und die beiden Klosterstädte Liebau und Schömberg.

In den Hussitenkriegen  wurden das Kloster und das dazugehörende Stiftsland 1426–1427 schwer verwüstet;
70 Geistliche wurden getötet. Kirche und Kloster waren erst 1454 wieder aufgebaut.

Während der Reformation  ging die Zahl der Mönche stark zurück.

Auch im Dreißigjährigen Krieg  wurde Grüssau schwer heimgesucht.

Bald erlangte es jedoch seine wirtschaftliche Kraft und seine religiöse Bedeutung zurück und wurde ein Zentrum der Gegenreformation in Schlesien. 

Zudem war es ein kultureller Mittelpunkt des  Riesengebirges  und der böhmischen Nachbargebiete.

Große Verdienste um die kulturelle und religiöse Entwicklung Grüssaus erwarb sich Abt Bernhard Rosa. 

Viele Bauten und Kunstwerke, für die er bedeutende Künstler beschäftigte, gehen auf seine Zeit zurück.

Durch das 1669 eingerichtete Stiftsgymnasium, an dem zahlreiche Freiplätze für begabte Schüler vergeben wurden, stieg die Bildung der Umgebung.

Der Arzt und  Mystiker Angelus Silesius  wurde vom Kloster bei der Drucklegung seiner Werke großzügig unterstützt.

Abt Rosas Nachfolger  Dominicus Geyer  erwarb 1703 von den Freiherren von Zedlitz  das verschuldete Bolkenhainer Burglehen  mit den Dörfern Einsiedel ,

Giesmannsdorf, Hohenhelmsdorf, Ruhbank, Klein-Waltersdorf und Wiesau.   Mit diesem Erwerb erreichte das Grüssauer Stiftsland eine Größe von 297 Quadratkilometern.

Während der Regierungszeit des Abtes Innozenz Fritsch  bestand das Stiftsland, dessen Grundherr der Abt war, aus 42 Dörfern sowie den Städten Schömberg und Liebau.

Das Gebiet war in fünf Verwaltungsbezirke aufgeteilt:

Grüssau mit Umgebung, Altreichenauer Dominialverwaltung , Priorat Würben ,  Propstei  Warmbrunn sowie das Bolkenhainer Burglehen mit den zugehörigen Dörfern.

Die Grenzen des Stiftslandes erstreckten sich damals bis an die Städte Schweidnitz , Reichenbach , Striegau und Hirschberg. 

Die Einwohnerzahl betrug etwa 30.000.  1723–1725 wurde unter Abt Dominicus das  Grüssauer Haus in Schweidnitz errichtet.

Es wurde auch als „Stiftshof“ bezeichnet und sollte ihm und seinen Nachfolgern während der Landtagssitzungen des Fürstentums Schweidnitz-Jauer als Stadtunterkunft dienen.

Zu den Hauptaufgaben der Mönche gehörte die Seelsorge in den zwölf Stiftspfarreien und die Betreuung der Wallfahrer zum „Gnadenbild Unserer Lieben Frau“.

Äbte und Mönche leisteten einen großen Beitrag zur geistigen und kulturellen, aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Stiftslandes.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg  1742 fiel Grüssau wie fast ganz Schlesien, das bis dahin ein Nebenland der Krone Böhmens  gewesen war, an Preußen. 

Wegen der nachfolgenden Kriegslasten, mit denen auch das Kloster Grüssau belegt wurde, konnte der geplante Neubau des Klosters erst unter

Abt Placidus Mundfering (1768–1787) begonnen werden.   Er blieb jedoch in Teilen unvollendet, da die Abtei im Zuge der Säkularisation 

durch den preußischen Staat 1810 aufgelöst wurde.    Das in hoher religiöser und kultureller Blüte stehende Kloster wurde dadurch bedeutungslos.

Große Teile der Bibliothek und der künstlerischen Ausstattung gelangten nach Breslau.  Die Klosterkirche wurde als Pfarrkirche umgewidmet,

die Klosteranlage teilweise Staatseigentum, ebenso das Bolkenhainer Burglehen. Letzter Abt war Ildephons Reuschel , der noch bis zu seinem Tod 1823 im Klostergebäude lebte.

In den Professbüchern des Klosters Grüssau sind aus der Zisterzienserzeit die Lebensdaten von rund 50 Äbten und 400 Mönchen aus fünf Jahrhunderten verzeichnet.

Danach kam der Großteil der Mönche aus Niederschlesien ,  vor allem aus den zwölf Stiftspfarreien, sowie aus Böhmen.

Nur wenige Mönche kamen aus Oberschlesien ,  da es dort die Zisterzienser-Abteien  Rauden und Himmelwitz gab.


Nun habe ich noch die Fürstenkapelle im hinteren Bereich des Klosters besucht.

Die Fürstenkapelle, deren Kuppel einen Durchmesser von 9,4 m hat, wurde von 1735 bis 1747 errichtet.

Sie gehört zu den schönsten Barockmausoleen. Die Fresken von G. W. Neunhertz illustrieren die Geschichte der Abtei.

Das bildhauerische Dekor schuf A. Dorazil, die Stuckaturen Ignaz Albrecht Provisore.  

Die Gemälde der Altäre Allerheiligen , Heiliger Wenzel und Heilige Hedwig  stammen von F. A. Scheffler.

An der Westwand befinden sich zwei gotische Sarkophage   für die Herzöge Bolko I. († 1301) und  Bolko II. († 1368).

Die Renaissance-Tumba   an der Südwand für Ladislaus von Zedlitz-Nimmersatt   († 1628) wurde aus der vormaligen Klosterkirche hierher verbracht.

Ladislaus war u. a. Komtur der Striegauer Johanniter   und Kammerherr des Breslauer Bischofs  Karl von Österreich. 

Das Kloster Grüssau hatte von ihm Ende des 16. Jahrhunderts die Herrschaft Bolkenhain erworben.


Fürstenkapelle im  hinteren Bereich des Klosters         Fürstenkapelle im   Kloster

Fürstenkapelle im   Kloster     Fürstenkapelle im  hinteren Bereich des Klosters

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Nun habe ich noch die St.-Josephs-Kirche in der Klosteranlage Grüssau besichtigt.




Klosterkirche Mariä Himmelfahrt                  St.-Josephs-Kirche

Die Kirche St. Joseph (Kościół bracki Św. Józefa) liegt nordwestlich der Klosterkirche.

Sie wurde durch Abt Bernhard Rosa gestiftet und 1692–1695 an der Stelle der mittelalterlichen Pfarrkirche für die 1669 geschaffene Bruderschaft St. Joseph erbaut.

Die zweigeschossige Fassade wird von kupferbeschlagenen Holzfiguren der Heiligen Sippe bekrönt. 

Die Wandmalereien stammen von Michael Willmann, seinem Sohn Michael Willmann d. J.,

seinem Stiefsohn Johann Christoph Lischka  sowie dem Zisterziensermönch Jacob Arlet.


St.-Josephs-Kirche  im   Kloster Grüssau          St.-Josephs-Kirche  im   Kloster Grüssau

Zum Schluß bin ich noch zu den Kapellen des Kalvarienberges gelaufen.

Sie wurden in den Jahren 1675–1678 durch Abt Bernhard Rosa in Holz errichtet und 1703 unter Abt Dominicus Geyer   neu aus Stein erbaut.

Dort verläuft auch der Kreuzweg Jesu.


Kalvarienberg am Kloster Grüssau